Meinungsfreiheit im Netz – wer entscheidet, was erscheint?
Die Meinungsfreiheit im Netz darf heute kaum noch ungefiltert ausgeübt werden. Viele Plattformen prüfen Kommentare vor der Veröffentlichung. Einige dürfen erscheinen, andere werden abgelehnt. Der Nutzer erfährt nichts über die Kriterien. Oft bekommt er es gar nicht mit. Eher durch Zufall registrierte ich, dass von mir verfasste Kommentare unter Artikeln der digitalen Ausgabe der WELT zensiert wurden. Die Themen waren eher belanglos. Es ging um Greta Thunberg und um Gil Ofarim. Eine Klimaaktivistin und ein Musiker polarisieren und spalten die Gesellschaft. Doch in diesem Artikel soll es nicht nur um die persönliche Erfahrung gehen. Mich beschäftigt im Zusammenhang mit der Zensur Frage: Was bedeutet Meinungsfreiheit in einem Land, in dem sie im Grundgesetz verankert ist, wenn Sichtbarkeit von redaktionellen Entscheidungen abhängt?

Kommentare schreiben: Persönliche Erfahrungen
Dieser Artikel entsteht aus einer persönlichen Erfahrung heraus. Ich kommentiere gern und viel in sozialen Netzwerken und auf den digitalen Portalen verschiedener Zeitschriften: Schon zu analogen Zeiten habe ich gern Leserbriefe geschrieben oder über aktuelle Ereignisse diskutiert. Irgendwann verlagerte ich meine Meinungsäußerung ins Netz. Und merkte schnell, dass dies nicht zielführend ist: Wenn die Argumente fehlen, wird es schnell persönlich. Beleidigungen und Hasskommentare im Netz sind an der Tagesordnung. Leider greifen die Moderatoren selten ein. Dafür zensieren sie Kommentare, die ihnen nicht passen. Weil sie die Meinung der Journalisten kritisieren oder einfach nicht ins Bild passen.
Meinungen werden zensiert
Mehrfach habe ich erlebt, dass meine Meinung keinen Weg in die Öffentlichkeit fand. Einmal ging es um Greta Thunberg, in einer Zeit, in der die junge Frau rund um den Globus für ihren Kampf gegen die Klimakrise feierte und sogar vor der UN-Vollversammlung ein „How Dare You“ ins Mikrofon schleudern durfte. Ich sah das kritisch. Die digitale Ausgabe der Zeitschrift WELT verwarnte mich mit dem Hinweis, dass ich die Kommentarfunktion bei einer Wiederholung von unpassenden Aussagen nicht mehr nutzen dürfe.
Zu Beginn des Jahres 2026 sorgte das Dschungelcamp für gespaltene Meinungen. Obwohl die Sendung niemand schaut, redet jeder mit. Der offizielle Diskurs fragt, wie es zu dem Sieg von Gil Ofarim kommen konnte. Meine inneren Fragen gehen oft in eine andere Richtung: Warum wurde dieses öffentlich ausgetragene Mobbing kaum problematisiert – und warum blieben kritische Stimmen dazu unsichtbar?
Pro und Contra – ein Dschungelkönig in Kontroverse
Die Berichterstattung rund um den Musiker Gil Ofarim soll in diesem Artikel stellvertretend für zahlreiche Kolumnen, Essays oder einseitige Berichte stehen, die Journalisten großer Zeitungen Tag für Tag auf die Tastaturen ihrer Laptops tippen. Der „Davidsternskandal“ aus dem Jahre 2021 endete vor einem ordentlichen deutschen Gericht mit einem Vergleich. Gil Ofarim wurde nicht freigesprochen, sondern er einigte sich mit dem klagenden Hotelmitarbeiter auf die Zahlung einer Summe X, nachdem er seine Schuld eingestand. Nach dem Prozess war er ein freier Mann ohne Vorstrafe. Soweit die Fakten, die im Netz vielfach nachzulesen sind.
Nun musste sich Gil Ofarim 16 Tage lang als Lügner und Verbrecher beschimpfen lassen. Letzteres ist eine laut Strafgesetzbuch eine Verleumdung. Dies hielt eine Journalistin der WELT aber nicht davon ab, auf den Zug der Vorverurteilung aufzuspringen. Dass Menschen in ihrem Leben Fehler machen, dass es nie einen Schuldspruch gab und dass die ganze Angelegenheit wildfremde Mitcamper, die nach Sendezeit jagten, gar nichts angeht: All das erörterte die Journalistin nicht. Vielmehr schloss sie sich einer Meinung an. Nämlich der, dass die Vorverurteilung des Musikers gerechtfertigt wäre. Später überarbeitete sie ihren Artikel und schwächte ihre Aussagen ab. Gab es zu viele kritische, von dem Moderationsteam gelöschte Kommentare?
Wer nie einen Fehler begeht …
… der werfe den ersten Stein. So ähnlich lautet ein weises Sprichwort. Ich habe den Verfasser gerade nicht im Kopf und werfe es einfach so in den Ring. Gil Ofarim hat einen Fehler gemacht. Wie so viele vor ihm, die ohne eine anklagende Berichterstattung durch die vierzehn Dschungeltage gekommen sind. Mir fällt Ingrid van Bergen ein: Dschungelkönigin von 2009, weil sie einfach sympathisch war. Eine ältere Dame, die der Zuschauer in sein Herz schloss. Und eine Seniorin, die in der Blüte ihres Lebens im Gefängnis saß, weil sie wegen Totschlags an ihrem Liebhaber verurteilt wurde. Die Journalistin der WELT war 2009 augenscheinlich zu jung, Kommentare zur 4. Staffel hat sie noch nicht verfasst. Schade! Ich hätte sehr gern ihre Meinung über Ingrid I. gelesen.
Ingrid van Bergen wurde wegen guter Führung vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen und führte danach ein unauffälliges Leben. Ihre große Karriere war vorbei. Sie starb im Jahre 2025 hochbetagt und vollkommen verarmt. Doch sie hatte sich rehabilitiert und wurde nie wieder straffällig. Ob es Gil Ofarim gelingt, künftig frei von Konflikten zu leben, die vor einem Gericht ausgetragen werden müssen, wird die Zukunft zeigen. Meine Meinung ist, dass er ebenso wie jeder, der einmal auf irgendeine Weise mit dem Gesetz in Konflikt kam, das Recht hat, sich zu rehabilitieren. Er muss sich nicht vorverurteilen lassen. Nicht von einem Realitty-Sternchen, nicht von einer Ex-Spielerfrau und nicht von einem Bauern, der im TV die große Liebe suchte und beleidigte. Und auch nicht von einer Journalistin, die, glaubt man den Kommentaren, die zur Veröffentlichung freigegeben wurden, dem Feminismus zugewandt ist.
Dürfen Leser einen neutralen Kommentar erwarten?
Ich frage mich, ob ich von einer namhaften Zeitschrift nicht Kommentare erwarten darf, die sich in Neutralität üben. Die, wenn zwei Meinungen aufeinanderprallen, beide sezieren und den Leser zum Nachdenken anregen. Gegenspielerin von Gil Ofarim war eine junge Frau, die offenbar nach einem Drehbuch arbeitete. Später entschuldigte sie sich halbherzig: Vermutlich hatte ihr die Tante, als Begleitperson nach Australien mitgereist, dazu geraten. Im Interview mit RTL hab sie sich ihrem Schützling gegenüber kritisch.
Vermutlich veranlasste eben diese Entschuldigung die Journalistin zur Überarbeitung ihres einseitigen Kommentars. Nur: was soll der Leser, der für diese Inhalte im Rahmen eines Abos bezahlt, von einer solchen Berichterstattung nebst zensierter Kommentare halten? Was ist aus der einstigen vierten Gewalt geworden? Nun ist das Dschungelcamp keine Referenz für guten oder schlechten Journalismus. Aber es werden nicht nur Kommentare zu diesem Format zensiert werden. Die WELT prüft jede einzelne Meinung von der Freischaltung. Das ist im Grunde richtig, um die beleidigenden Trolle und den Spam auszusortieren. Doch meine beiden Meinungen, die der Zensur zum Opfer gefallen sind, waren weder das eine noch das andere. Sie spiegelten nicht die Ansicht der Journalisten und Moderatoren wieder. Und das war das Problem.
Gespaltene Gesellschaft – gespaltene Medien
Spätestens seit der Corona-Pandemie spaltet sich Deutschland bei kontroversen Themen ganz schnell in zwei Lager. Gil Ofarim war ein eher unverfängliches Thema. Im Mittelpunkt stand die Frage, ob öffentliches Mobbing gesellschaftsfähig ist oder nicht. Eine intensive Auseinandersetzung mit diesem Thema hatte mir in dem WELT-Artikel gefehlt.
Zu den ernsteren – und oft zensierten – Diskussionen gehören die AfD als eine Partei, die von einem Teil der Bevölkerung gewählt und von den anderen mit dem Dritten Reich in Verbindung gebracht wird. Die Flüchtlingspolitik fördert ebenso kontroverse Meinungen zu Tage wie die Spaltung zwischen Ost und West, die mehr als drei Jahrzehnte nach der Wiedervereinigung Deutschlands in einigen Bereichen unüberwindbar zu sein scheint.
Die Medien üben ihre Funktion als vierte Gewalt schon seit Jahren nicht mehr aus. Politiker, die den Parteien der selbsternannten „demokratischen Mitte“ angehören, dürfen eher ausreden als Angehörige der bereits genannten Partei, die bei der Wahl im Jahre 2021 auf dem zweiten Platz landete und die größte Opposition im Bundestag stellt. Nicht nur die öffentlich-rechtlichen Medien tun sich mit Interviews schwer: Auch bei den privaten Nachrichtensendern ändern die Journalisten ihren Ton, wenn sie mit einem Politiker der AfD sprechen.
Kritische Fragen und die Aufdeckung von Hintergründen sind dringend erforderlich. Aber doch bitte bei allen Parteien. Oder habe nur ich den Eindruck, dass mit den Regierungspolitikern anders gesprochen wird?
Der Weg der Greta Thunberg
Ich möchte gern Greta Thunberg noch einmal thematisieren: Sie sorgte in meiner persönlichen Meinungsäußerung zu einer ernsten Verwarnung durch die Zeitschrift WELT. Mit wurde der Ausschluss von der Kommentarfunktion angedroht, obwohl ich zahlende Abonnentin war. Doch leider gehörte ich nicht zu der breiten Masse, die das junge Mädchen feierte, sondern ich betrachtete die rigorosen Ansichten und den Hype eher kritisch. Das war nicht gegen Ende der 2010er-Jahre nicht erwünscht. Wie ging es mit der jungen Frau weiter?
Die Aktivistin war im Jahre 2019 für den Friedensnobelpreis nominiert worden, ging aber leer aus. Mit dem Beginn der Corona-Pandemie verlagerte sich der Fokus des öffentlichen Interesses auf Maßnahmen, Lockdowns, Maskenpflicht und Impfungen. Auch Greta Thunberg verlor das Interesse am Kampf um das Klima und widmete sich einer neuen Mission. Im Jahre 2024 wurde sie das erste Mal in Gewahrsam genommen, weil sie in Dänemark an einer Demonstration für Palästina teilnahm. Später folgten in diesem Zusammenhang weitere Festnahmen sowie die Ausweisung aus Israel.
Leider habe ich auf meinen Kommentar von damals keinen Zugriff mehr. Doch gern würde ich den Moderator, der mich damals sperrte und verwarnte, einmal fragen, wie er heute über die junge Frau denkt. Ich hatte von meiner Meinungsfreiheit Gebrauch gemacht, um diese übertriebenen Aktionen zu kritisieren. Das war nicht erwünscht. Aus heutiger Sicht läge ich mit meiner damaligen Kritik nicht einmal falsch: „Fridays vor Future“ ist faktisch tot. Junge Menschen demonstrieren aktuell gegen die Wehrpflicht. Oder sie kommen freitags ihrer Schulpflicht nach.
Das hohe Gut der Meinungsfreiheit
Wir haben in Deutschland eine im Grundgesetz verankerte Meinungsfreiheit, die mit dem Beginn der Flüchtlingskrise im Jahre 2015 zu bröckeln begann. Wer Kritik übte, sah sich früh mit dem Vorwurf des rechten Gedankenguts konfrontiert. Begann schon zu dieser Zeit die Zensur von kritischen Kommentaren?
Während der Corona-Pandemie lief die Spaltung der Meinungen zur Hochform auf. Menschen, die sich für eine Impfung entschieden, waren auf die richtige Seite übergetreten. Wer vorsichtig blieb, trug einen Aluhut und verschwand ebenfalls in der braunen Schublade. Heute wissen wir, dass das Grundgesetz zwischen 2020 und 2023 nicht nur in Bezug auf die Meinungsfreiheit ausgehebelt wurde. Auch andere Grundrechte der Bürger fielen politischen Maßnahmen zum Opfer.
Warum ist es heute nicht mehr möglich, eine Ansicht zu vertreten, die vom Mainstream abweicht? Warum darf ich unter einen Dschungelcamp-Artikel nicht schreiben, dass Menschen Fehler machen und das Recht haben sollten, sich zu rehabilitieren?
Weshalb wird Ostdeutschland angefeindet, weil viele Wähler ihr Kreuz bei der AfD machen? Wäre es nicht besser, die Gründe zu hinterfragen und sich um die Sorgen der Wähler zu kümmern?
Aus welchem Grund dürfen Bürger angesichts leerer Haushaltskassen bestimmte Beschlüsse der Politik nicht kritisieren, ohne mit dem Dritten Reich in Verbindung gebracht zu werden?
Ich könnte die Liste an Fragen beliebig erweitern. Übrig bleibt am Ende aber nur eine einzige: Warum sind wir dabei, unser hohes Gut der Meinungsfreiheit bei kontroversen Themen zu zensieren? Gerade diese Themen sind es doch, die auf mehreren Ebenen diskutiert werden sollten.
Die zensierte Leserpost
Schon in analogen Zeiten haben Redakteure Leserpost sortiert. Nur wenige Meinungen waren in der Zeitung oder Zeitschrift zu lesen. Das mag dem Platzangebot geschuldet gewesen sein. Doch oft waren die Kommentare positiv.
In der digitalen Welt heißen die Redakteure Moderatoren. In sozialen Netzwerken wie Facebook erscheinen Meinungen in der Regel zunächst ungefiltert. Ist das Thema unbequem oder wird es den Moderatoren zu kritisch, stellen sie die Kommentarfunktion aus. Ein Klick, der bei Influencern gern kritisiert wird. Bei den Medien ist es gängige Praxis.
Öffnest du die App der WELT und postest dort einenBeitrag in den Kommentarspalten, bekommst du einen Hinweis, dass dein Kommentar erst nach Prüfung freigeschaltet wird. Das bedeutet, dass ein Team, vermutlich mit Unterstützung der KI oder eines Filters, alle Kommentare vor der Veröffentlichung durchleuchtet. Dass Spam, Hass und Hetze nicht veröffentlicht werden, ist verständlich und zu begrüßen. Doch meine durchgefallenen Kommentare enthielten nichts von alledem. Sie spiegelten nur nicht die Meinung der Autoren wieder. Genau das ist Meinungsfreiheit. Meine ich!
Wer entscheidet, was erscheint?
Die Frage stellte ich am Anfang des Artikels, und sie ist leider sehr einfach zu beantworten: Wenn du deine Meinung in der Kommentarspalte einer digitalen Zeitung oder eines (öffentlich-rechtlichen) Fernsehsenders hinterlassen möchtest, bist du der Willkür oder dem Wohlwollen eines Moderators, eines Filters oder einer KI ausgesetzt. Was eine der der drei Instanzen nicht freigibt, das erscheint auch nicht. Die genauen Vorgaben für Kommentare sind überall gleich schwammig formuliert: Es geht um Nettikette. Beleidigungen, Verleumdungen, Diffamierungen und eben Hass und Hetze werden nicht geduldet.
Doch, möchte ich gern entgegensetzen: Im Fall Ofarim unterstützte die WELT das Mobbing des Sängers, indem die Autorin sich davon nicht distanzierte. Und ich möchte hinzufügen, dass Kommentare durch dieses System fallen, die für eine abwechslungsreiche und kritische Diskussion wertvoll wären. Dabei spreche ich nicht von mir, sondern von der Vermutung, dass ich nicht die Einzige bin, deren Kommentar kommentarlos oder mit einer Warnung gelöscht wurde. Es ist schade, dass ein breiter Meinungsdiskurs in Deutschland nicht mehr gewünscht ist.
Diskutieren, nicht zensieren
Vielleicht ist es dir auch schon aufgefallen: Viele Diskussionen befinden sich in einem merkwürdigen Einklang. Dies ist vor allem bei den Themen zu beobachten, die die Gesellschaft spalten. Offenbar möchte sich niemand zu weit aus dem Fenster wagen und einen Shitstorm riskieren. Dabei sind unzensierte Diskussionen so wichtig, Gerade zu heiklen Themen möchten wir unterschiedliche Meinungen lesen und auf uns wirken lassen. Die Zensur widerspricht nicht nur dem Grundgesetz, sondern auch dem journalistischen Codex als – ich erwähnte es schon – vierte Gewalt.
Doch die Gesellschaft hat sich verändert. Wir achten darauf, unsere schöne Sprache so anzupassen, dass wir niemanden verletzen. Im Freundes- und Familienkreis sprechen wir bestimmte Themen gar nicht an, weil wir keinen Streit möchten. Wir haben Freunde nach zehn Jahren verloren, weil wir eine andere politische Meinung vertraten. Das ist schon länger her, und heute wissen wir: Es waren keine Freunde. Denn mit diesen können wir offen diskutieren, gern auch bis tief in die Nacht. Manchmal kommen wir zu keinem Ergebnis, aber wir haben unseren Blick in eine andere Richtung geweitet. Das ist wichtig, um den Gegenüber zu verstehen.
Ein Maulkorb kann Aggressionen fördern
Zensur kann aggressiv machen. In dem Land, in dem ich geboren wurde, waren die Menschen irgendwann so unzufrieden, dass sie auf die Straße gingen. Mit passiver Unterstützung des sowjetischen Systems unter Gorbatschow, das möchte ich nicht unerwähnt lassen. Aber dennoch war die Zensur des DDR-Regimes vielen Menschen zu viel.
Heute bemerken wir ein hohes Aggressionspotenzial in verschiedenen Bereichen des Lebens: Sei es im öffentlichen Raum, im nachbarschaftlichen Grenzbereich oder auf Radwegen, die sich Fußgänger und Radfahrer teilen müssen. Konflikte im Alltag nehmen zu. Jeder von uns spürt es. Ich meine, die Zensur der Medien trägt dazu bei.
Nun wird die Berichterstattung rund um einzelne Personen des öffentlichen Lebens nicht dazu führen, dass sich Autofahrer und Radfahrer an einer Kreuzung lautstark beschimpfen. Doch viele kleine Ärgernisse und Einschränkungen stauen sich auf und entladen sich eines Tages.
Die Medien könnten einen wichtigen Beitrag zur Entspannung leisten. Wenn sie den Diskurs fördern, kritische Kommentare nicht zensieren und zulassen, dass die Menschen sagen, was sie denken. Vielleicht könnte das helfen, den Riss, der durch unsere Gesellschaft geht, ein bisschen zu verkleinern.
Offenen Diskurs zulassen – ein Fazit
Obwohl die Meinungsfreiheit im Grundgesetz verankert ist, hat niemand einen Rechtsanspruch auf die Veröffentlichung eines kritischen Kommentars. Und selbst, wenn eine Beschwerde beim Bundesverfassungsgericht Erfolg hätte: Wer klagt sich schon durch alle Instanzen, um auf den Portalen von WELT, Süddeutscher oder Frankfurter Rundschau seine Meinung kundtun zu dürfen?
Es liegt in der Hand der Moderatoren und der Journalisten, das hohe Gut der Meinungsfreiheit zu erhalten. Kritische Kommentare lassen sich erneut kommentieren. In vielen Fällen bekommt der Journalist Zuspruch: Daraus entsteht eine Diskussion, die interessant und lebendig ist. Menschen, die kritisieren möchten, bekommen die Möglichkeit, sich Luft zu verschaffen und sich mit gegensätzlichen Ansichten unter ihrem Kommentar auseinanderzusetzen. Warum Moderatoren das unterbinden, erschließt sich mir nicht.
Ich wünsche mir, dass der offene Diskurs wieder zugelassen wird. Dass Medien und Nachrichten polarisieren und die Menschen aufrütteln. Die Unzufriedenheit in der Bevölkerung ist in unsicheren Zeiten groß. Wer immer und überall die gleichen Ansichten vorgesetzt bekommt, resigniert oder agiert mit Unmut. Das könnten Moderatoren, Journalisten und Nachrichtensprecher verhindern.
Warum tut Ihr es nicht? Gebt die Meinungsvielfalt frei. Dann setzt Ihr den wohl wertvollsten Paragrafen des Grundgesetzes um und sorgt dafür, dass alle eine Meinung haben dürfen. Auch dann, wenn sie Euch nicht gefällt.


ISSN 3053-674X
TS 2026-07





