Selbstscannerkassen: Warum gibt es sie so selten?

Selbstscannerkassen: Warum gibt es sie so selten?

Selbstscannerkassen begleiten unseren Urlaub: Wir verbringen ihn in Holland und beneiden unsere Nachbarn um ihre flexiblen Zahlungsmöglichkeiten im Supermarkt. Du kannst wählen, ob du deinen Einkauf mit einem Handscanner erfassen möchtest oder die Selbstscannerkasse nutzt. Selbstverständlich gibt es in jedem Supermarkt ein oder zwei Kassenbänder, an denen du deinen Einkauf aufs Band legst und von einer Kassiererin oder einem Kassierer registrieren lässt. Wir finden das perfekt und fragen uns, warum das in Deutschland nicht möglich ist. Wenn wir Diskussionen zum Thema lesen, werden die Fragezeichen noch größer. Wollen die Deutschen keinen Fortschritt, wollen sie einfach nur meckern oder verstehen sie das System nicht? Hier ist mein Plädoyer für die Selbstbestimmung an der deutschen Supermarktkasse.

Selbstscannerkassen oder traditionelles Kassenband? Der Kunde sollte die Wahl haben

Selbstscannerkassen als Standard – in Holland

Die Idee zu diesem Artikel überkam mich nach der Rückkehr aus einem Urlaub in Holland: Einen Monat haben wir an der Nordseeküste verbracht. Mehr als vier Wochen brauchten wir nicht an einer Supermarktkasse anzustehen.

In Holland gibt es Handscanner, die wir sehr praktisch finden: Du nimmst ihn am Eingang an dich, scannst deine Einkäufe während deines Rundgangs und registrierst den Scanner an einer Selbstscannerkasse. Kein Auspacken der Ware, einfach bezahlen und den Laden verlassen. Ab und zu gibt es eine zufällige Kontrolle, bei der einige Artikel zur Überprüfung von der Kassenkraft eingescannt werden. Aber dennoch habe ich meinen Einkauf schneller erledigt, als wenn ich mich in die Schlange einreihen muss.

Von den acht Supermärkten in unserer Kleinstadt bietet genau einer das Handscannersystem für den flexiblen Einkauf an. Und das funktioniert nicht so gut, wie in Holland: Steht eine Überprüfung an, muss die Kassenkraft erst einmal aus den Tiefen des Ladens herbeigeeilt kommen. Das ist nicht Sinn des Systems.

Einkaufen bei Netto – eine Geduldsprobe

Nach unserer Hollandreise wurde ich bei meinem ersten Einkauf zu Hause sehr unsanft auf den Boden der Tatsachen geschleudert. Ich kaufte Obst und Gemüse, mein Einkauf war so klein, dass ich auf einen Wagen verzichtete. Ich hielt die Waren in der Hand, reihte mich in die Schlange ein und hatte sofort schlechte Laune. Der Kassierer des Netto mit dem Scottie hatte keine Eile. Die Kunden auch nicht. Da wurde das Kleingeld abgezählt, dass es nur so eine Freude war. „Schauen Sie doch bitte mal rein, ob Sie es passend finden“, sagte eine Kundin und hielt dem Kassierer ihr Portemonnaie hin. Das machte er doch gern.

Ich stand mit meiner Mutter in der Schlange. Sie hat ihren 80. Geburtstag bereits hinter sich gelassen hat und weiß sehr gut, wie man eine Karte auf das Display des Lesegerätes legt. Es kann nicht daran liegen, dass ältere Menschen mit der Technik nicht klarkommen. Etwas zu auffällig regte ich mich auf, als der nächste Kunde sein prall mit Kleingeld gefülltes Portemonnaie mit Kleingeld aus der Tasche zog. und passend zahlte.

Unser Vordermann gab vor, etwas vergessen zu haben, ließ uns passieren und stellte sich hinter uns erneut an. Sein Blick sprach Bände. War er genervt, von meinen Worthülsen, oder hatte er auch ein Portemonnaie voller Kleingeld, das er loswerden wollte?

Es kam aber noch besser: Eine ältere Dame sortierte ihren Einkauf erst einmal fein säuberlich in ihre Tasche, bevor sie überhaupt ans Bezahlen dachte. Es waren knapp zehn Minuten, die wir an der Kasse verbrachten. Die zweite war geschlossen. Wir freuten uns, zurück in Deutschland zu sein.

Welcher Kaffee schmeckt denn besser?

Und weil wir gerade bei Netto mit dem Scottie sind, kann ich noch ein weiteres Erlebnis preisgeben: In dem Supermarkt, der unter einer dänischen Kette arbeitet und nur in der nördlichen Hälfte Deutschlands seine Waren verkauft, gibt es den Kaffee an der Kasse zu kaufen. Der Kassierer übernimmt gleich einmal eine beratende Funktion, auch wenn die Schlange durch den halben Laden steht.

Es gab eine Kaffeemarke im Angebot, sie war fünfzig Cent teuer als die preiswerte Eigenmarke. Die ältere Dame wollte von dem Kassierer wissen, welcher Kaffee besser schmeckt. Der junge Mann war Anfang 20 und konnte leider keine Auskunft geben. Die Dame musste nachdenken und überlegen und noch einmal nachdenken, bis sie sich für die preiswerte Eigenmarke entschied.

Auf der Suche nach dem Preis

Beide Erlebnisse liegen etwa ein Jahr auseinander: Es ist nicht so, dass wir jedes Mal so schöne Erfahrungen an den klassischen Kassenbändern sammeln. Eine dritte nahmen wir vom Discounter Norma mit nach Hause: Eine Kundin vor uns kaufte ein Metallregal als Aktionsartikel, das keine Banderole hatte und somit nicht gescannt werden konnte. In Holland, mit unserem Handscanner in der Wagenhalterung, hätten wir das direkt am Regal bemerkt. So rief bat die Kassiererin ihren Kollegen um Unterstützung. Er saß an der anderen Kasse und stand auf, um nach dem Preis zu suchen.

Nun stand der Laden still: Die junge Verkäuferin an meiner Kasse wartete, dass ihr Kollege mit dem Preis wiederkam. Offenbar war es nicht möglich, den Bon zu parken und die wirklich lange Schlange weiter abzuarbeiten. An der Nebenkasse warteten die Kunden, dass er Kollege mit dem Preis wiederkam. Es ging schon ein wenig Zeit ins Land, bis er die Banderole gefunden hatte. Insgesamt stand ich an dieser Kasse acht Minuten. Ich hatte nur Mecklenburger Salami auf dem Band liegen. Nebenan, im Rewe, unserem einzigen Supermarkt mit Handscanner und Selbstscannerkassen, wäre ich nach 90 Sekunden wieder draußen gewesen.

Diese modernen Kassensysteme gibt es

In Deutschland haben wir bislang drei Systeme kennengelernt, mit denen wir unsere Einkäufe selbst scannen konnten. In allen Geschäften, die eines der modernen Systeme anbieten, gibt es alternativ Kassenbänder. Deshalb sind Aussagen, dass ältere Menschen überfordert wären oder dass eine Zahlung mit Bargeld nicht mehr möglich wäre, schlichtweg falsch. Es gibt sogar Selbstscannersysteme, die Bargeld annehmen. Das ist uns bei Hornbach aufgefallen.

Selbstscannerkassen mit integrierter Waage

Klassische Selbstscannerkassen bieten dem Kunden die Möglichkeit, seine Waren über das Licht zu ziehen und zunächst auf einer Ablage mit integrierter Waage zu verstauen, bevor sie wieder in den Korb gelegt wird. Alternativ kann eine Tasche auf die Waage gestellt werden. Du scannst alle Artikel ein und zahlst danach bargeldlos. Es ist möglich, Gutscheine einzuspannen. Einige Märkte und Läden bieten auch die Option, mit Bargeld zu bezahlen.

Selbstscannerkassen sind in unserer Region rar. Wir haben sie bislang nur bei Rewe, DM, Lidl und Kaufland gesehen. Hornbach hat sein Kassensystem so umgebaut, dass es nur noch an der Info ein Kassenband gibt. Damit waren die Kunden nicht so glücklich. In Baumärkten kann das Selbstscannen eine Herausforderung sein: Viele Waren sind sehr groß und sperrig, die Codes müssen gesucht werden. Vielleicht sollten die Märkte bei solchen Voraussetzungen nicht alle klassischen Kassenbänder abschaffen!

Scan and Go

Für Scan and Go muss eine App heruntergeladen werden. Nach dem Einkauf generiert das System einen Code, der an einer speziellen Scan-&-Go-Kasse eingescannt werden kann. Der Vorteil liegt darin, dass die Waren im Wagen verbleiben können und dass du sie an der Kasse nicht wieder auspacken musst. Es sind allerdings ein Smartphone mit der entsprechenden App, ein Zugang zum Internet und ausreichend Akkukapazität erforderlich. Dieses System haben wir bislang nur bei Ikea ausprobiert und für gut befunden.

Handscanner

Der Handscanner funktioniert wie das Scan and Go System: Du scannst alle Waren, wenn du sie in den Wagen legst. Zum Abschluss deines Einkaufs erstellt das System einen QR-Code, den du an einer Selbstscannerkasse einscannst. Auch hier brauchst du Waren nicht noch einmal aus dem Korb zu nehmen. Kaufland und Rewe sind bislang die einzigen Märkte, in denen wir mit einem Handscanner einkaufen konnten.

Easyshopping

Unser Favorit, der bei uns nur in großen Edeka-Märkten angeboten wird: Ein intelligenter Einkaufswagen mit einem integrierten Scanner. Der Vorteil dieses Systems liegt darin, dass du eine eigene Kasse hast und wirklich nichts mehr scannen musst. Kontrollen werden auch durchgeführt, aber es ist ja eine Kassiererin da, die das sofort erledigt.

Beim Easyshopping hast du zusätzlich die Möglichkeit, über ein Tablet am Wagen nach Waren zu suchen, dich über Angebote zu informieren oder bei Bedarf einen Mitarbeiter zu rufen, der Fragen beantwortet. Das ist toll. Aber wir müssen 20 Kilometer fahren, um so einkaufen zu können. Das machen wir im Alltag nicht.

Zum Easyshopping habe ich auch eine kleine Geschichte: Ein Mann stellte sich mit einer Flasche Wasser und einem Snack an der Easyshopper-Kasse an. Diese sind auf dem Boden deutlich gekennzeichnet. Die Kasse war leer, er wollte nur seine beiden Artikel bezahlen. Die Kassiererin erklärte ihm, dass das nicht ginge: Sie hätte keinen Scanner an ihrer Kasse, sondern könne nur die Speicher am Wagen abrufen. Das wollte der Kunde nicht glauben, diskutierte hin und her, bevor er seine Artikel der verdutzten Frau reichte und von dannen zog. Deutsche Biestigkeit?

Fluch und Segen der Selbstscannerkassen

Die Vorteile der Selbstscannerkassen liegen auf der Hand: Du musst dich nicht mehr in die Schlange einreihen, sondern kannst direkt an eine der Kassen gehen, bei denen du das Erfassungssystem per Scanner selbst bedienen kannst. Vor allem bei kleinen Einkäufen sind diese Systeme von Vorteil: Ich habe bei Norma wirklich nur meine Mecklenburger Salami gekauft und dafür minutenlang angestanden, nur weil die Banderole von einem Aktionsartikel abgefallen war. Beim Rewe nebenan wäre ich an eine der vier Kassen gegangen, hätte meine Wurst gescannt, die Karte an den Leser gehalten, und der Einkauf wäre erledigt gewesen.

Für große Einkäufe nur bedingt geeignet

Wenn du einen großen Einkauf hast, musst du abwägen, ob der Selbstscanner für dich eine gute Wahl ist. Es gibt Supermärkte, zum Beispiel Kaufland, die diese Kassensysteme auf eine bestimmte Anzahl von Artikeln begrenzen. Und es gibt Kunden, die nachzählen, wie viel du im Wagen hast, und sich lautstark, bei uns im schönsten Berliner Chargon, echauffieren, wenn sie selbst anstehen müssen, weil kein Selbstscanner frei ist, und während dessen deine Artikel zählen.

Abgesehen von der Beschränkung kann es etwas mühsam sein, viele Artikel auf diese kleine Waage zu quetschen. In erster Linie eignen sich die klassischen Self-Checkout-Kassensysteme eher für den kleinen schnellen Einkauf.

Anders sieht es mit den elektronischen Einkaufswägen und mit dem Handscanner aus. Diese Systeme finden wir so genial, dass wir sie uns überall wünschen. Dabei schielen wir noch einmal nach Holland: Du hast mit dem Kassenband, dem Handscanner und der Selbstscannerkasse drei Systeme zur Auswahl. Es bedeutet, dass jeder Kunde so bezahlen kann, wie er möchte. Das ist doch ein echter Traum, oder?

Überprüfung! Bitte warten Sie, mit ein Mitarbeiter bei Ihnen ist!

So oder ähnlich liest du die Nachricht auf dem Bildschirm, wenn du für eine der zufälligen Überprüfungen vorgesehen bist. Im Grunde ist das kein Problem: Die Kassenaufsicht scannt einige Artikel, um zu schauen, ob du sie eingescannt hast. Das soll einem möglichen Diebstahl vorbeugen. Wenn alles in Ordnung ist, wird das System zur Bezahlung freigegeben.

Bei unserem Rewe ist das Selbstscannersystem so beliebt, dass die Kunden mitunter anstehen, weil die vier Kassen belegt sind. Eine Frau stand hinter mir und wollte wissen, wie der Scanner funktioniert, den ich in der Hand hielt. Ich schwärmte von dem modernen System, erklärte es kurz und betonte die Zeitersparnis, da ich die Artikel bereits eingescannt hätte. Dann war eine Kasse frei und ich scannte meinen Code ein, den der Handscanner anzeigte. Und siehe da: Das System hatte mich für eine Überprüfung auserkoren.

Ich sah mich um, es war kein Mitarbeiter zu sehen, der die Überprüfung vornehmen könnte. Derweil scannte die Frau, die hinter mir stand, ihre Einkäufe ein, bezahlte und wünschte mit einen schönen Tag, als sie den Laden verließ. Und ich stand immer noch an meiner gesperrten Kasse. Dann kam ein Mitarbeiter, er hatte in einer anderen Abteilung gearbeitet. Er entschuldigte sich, scannte meine Einkäufe ein zweites Mal und gab die Bezahlung frei. So sollte es natürlich nicht laufen!

Ich übernehme doch nicht die Arbeit der Kassierer!

Dieser Ansicht ist mein Sohn: Bei Ikea stellte er sich einmal ganz traditionell an der Schlange an, die bis zu den Selbstbedienungsregalen reichte, weil es dort nur noch eine traditionelle Kasse gibt. Ich bot ihm an, seinen Einkauf zunächst zu übernehmen, doch das lehnte er ab. Er wollte bar zahlen. Als er endlich fertig war, hatten wir bereits unseren Hotdog verspeist.

Der Meinung sind auch andere Kunden: Es sollte einen Rabatt geben, wenn man die Registrierung des Einkaufs selbst übernimmt. Die Forderung lautet drei bis fünf Prozent. Die Forderung mag nachvollziehbar sein, doch sie wird sich nicht durchsetzen. Auch in Holland zahlen wir den vollen Preis. Die Kunden haben die Wahl, nutzen die Systeme somit freiwillig. Und sie haben einen Vorteil, weil sie nicht an der Kasse anstehen und, bei den Handscannersystemen, ihre Waren nicht mehr auspacken müssen. Somit hebt sich ein finanzieller Vorteil auf.

Die traditionelle Mentalität der Kunden

Woran liegt es, dass Deutschland mit dem Fortschritt so langsam ist? In Holland können wir jede Tüte Eis, jedes Brötchen und jeden Coffee to go mit der Karte bezahlen. So war es auch in Finnland, Schweden, Frankreich und Spanien. Bei uns fahren die Kunden – und die Händler – nach wie vor auf Bargeld ab. Bei der Argumentation, dass die Kartenzahlung für kleine Beträge so teuer wäre, halte ich gern dagegen, dass die Einzahlung von Bargeld bei der Bank auch Geld kostet.

Deutsche Kunden haben eine sehr traditionelle Mentalität: Die Mehrheit hält immer noch an ihrem Bargeld fest und sie möchte sich an der Kasse anstellen, um ihre Waren klassisch aufs Band zu legen und mit der Kassiererin einen kleinen Plausch zu halten. Dies führt dazu, dass die Supermärkte nur zögerlich neue System einführen: Die Investitionen sind hoch, der Mehrwert für die Kunden hingegen, so die Meinung der Verantwortlichen, zu gering.

Die Niederländer sind experimentierfreudiger

Die Niederländer sind Neuem gegenüber aufgeschlossener und experimentierfreudiger. Das mag ein Grund dafür sein, dass wir dort einen Monat lang überhaupt kein Bargeld benötigen und nirgendwo an einer Kasse anstehen müssen. Zudem gibt es in Deutschland strengere Vorschriften in Bezug auf die Sicherheit und die Speicherung von Daten.

Doch es gibt Hoffnung: Der Trend geht auch in Deutschland zu moderneren Systemen. Dennoch ist die Umsetzungeschwindigkeit für Menschen für mich nicht schnell genug. Die Märkte möchten sicher sein, dass die Menschen das neue System annehmen. Und das ist eben nicht garantiert.

Die Anzahl der Scannerkassen nimmt zu

Die gute Nachricht ist, dass die Anzahl der Selbstscannerkassen und anderer moderner Systeme zunimmt. Bis Ende 2023 gab es deutschlandweit in mehr als 4.270 Geschäften etwa 16.000 Selbstscannerkassen. Mehr als 2.000 Läden waren mit Handscannern oder anderen mobilen Self Scanning Systemen ausgestattet. Und der Trend geht weiter nach oben. Ich bin vermutlich nicht die Einzige, die sich wünscht, endlich selbst entscheiden zu können, wie ich meinen Einkauf bezahlte.

Es gibt große regionale Unterschiede: In größeren Städten wie München, Hamburg oder Frankfurt am Main sind die Systeme moderner, weil große Ketten dort gern testen. Die Kaufkraft der Kunden ist hoch, die Offenheit für Neues eher vorhanden, als im Norden oder auf dem Land. Leider gibt es keine aktuellen regionalen Daten: In Berlin hakt es, mit den Systemen, in Brandenburg erst recht.

Einige Supermärkte sind aufgeschlossener

Unterschiede gibt es auch bei den einzelnen Supermarktketten: Vorreiter ist Rewe, die Anzahl der Selbstscannersysteme soll in den nächsten Jahren steigen. DM, Edeka und Kaufland sind den Systemen gegenüber ebenfalls aufgeschlossen. Bei Lidl gibt es in einigen Regionen bereits Scansysteme, während Aldi nach einem missglückten Start eher zurückhaltend ist. In Düsseldorf verärgerte der Discounter seine Kunden, indem er die klassischen Kassen gleich ganz schloss.

Und was ist mit Norma, Netto und Penny? Letzteren Discounter gibt es bei uns nicht in sinnvoller Nähe. Bei Norma und Netto kommt das Gefühl auf, im vorigen Jahrhundert steckengeblieben zu sein. Wir leben in einer sehr schnellen, oft stressigen Zeit. Frauen gehen Volllzeit arbeiten, anstatt sich um Haushalt und Kinder zu kümmern. Viele Menschen haben zusätzlich zu ihrem Achtstundentag einen langen Arbeitsweg. Vielleicht liegt es an diesen Dingen, dass die Geduld fehlt, zu warten, bis der Kassierer der älteren Dame das Kleingeld passend aus dem Portemonnaie geklaubt oder zugehört hat, was sie heute beim Arzt erlebte.

Von arbeitslosen Kassiererinnen und Plauderkassen

Ein Argument gegen die Scannerkassen ist die Befürchtung, dass Verkäufer und Verkäuferinnen in Scharen arbeitslos werden. In diesem Artikel habe ich mich einmal mit den Bedingungen im Handel auseinandergesetzt: Auf der einen Seite sind die Chefs wählerisch, wenn es um das Verräumen von Waren in einem Supermarktregal geht. Auf der anderen Seite heißt es, wir finden keine Leute. Tatsächlich ist es so, dass der Handel nicht mehr so attraktiv für junge Menschen ist: Unregelmäßige Arbeitszeiten auch an den Sonnabenden, mittelmäßige Bezahlung und viel Stress schrecken ab.

Sollten die Supermärkte dem augenblicklichen Trend folgen und Selbstscannerkassen verstärkt anbieten, muss niemand Angst haben, arbeitslos zu werden. Das Gegenteil ist wohl eher der Fall: Der Kunde kann seinen Einkauf schneller bezahlen, die langen Schlangen vor dem Kassenband werden weniger. Denn wenn alle, die nur eine Flasche Wasser, einen Snack oder ein wenig Obst und Gemüse kaufen möchten, ihre Kleinigkeiten selbst scannen, blockieren sie nicht das Kassenband und sorgen für eine angenehme Entzerrung des Erfassungsprozesses.

Plauderkassen? – Eine super Idee!

Das meine ich ganz ehrlich: Nach der Pandemie, im Jahre 2023, machte ein Supermarkt in Bayern mit der Öffnung von Kassen für Einsame von sich reden. Die Plauderkassen richten sich an Kunden, die viel Zeit mitbringen. Die Kassiererinnen sind angewiesen, mit den Kunden während ihrer Arbeit ein höflich- freundliches Gespräch zu führen. So wird neben der Scannerkasse ein ganz anderer Anspruch bedient: Der von Kunden, die gern viel Zeit an einer Kasse verbringen, weil es für sie eine Form des gesellschaftlichen Miteinanders ist. Niemand möchte ältere, einsame oder kommunikative Menschen von der Gesellschaft ausschließen. Im Gegenteil: Es ist sehr einfach, es allen recht zu machen.

Der Supermarkt für alle – es wäre so einfach

Es wäre so einfach, den Supermarkt für alle individuellen Bedürfnisse einzurichten und den Kunden auf diese Weise entgegen zu kommen. In unserem Kaufland gibt es 15 Kassen mit klassischen Bändern, von denen in Stoßzeiten maximal die Hälfte besetzt ist. Die Leitung lehnt moderne Scannersysteme rigoros ab und nimmt aufgrund von Personalmangel mitunter lange Schlangen in Kauf, die sich bis zur Getränkeabteilung hinziehen. Dass jeder, der länger als fünf Minuten wartet, 2,50 EUR bekommt, ist immer noch ein Deal. Damals, als es fünf Mark waren, wurde es an der Kasse beworben. Heute musst du an der Info explizit danach fragen.

Hier kommt mein Vorschlag für den Umbau des Kassenbereichs im Kaufland unserer Kleinstadt:

  • Kasse 1: Plauderkasse für langsames und entspanntes Kassieren
  • Kassen 2 bis 6: Traditionelle Kassen mit Kassierer und Kassenband für den klassischen Einkauf. Während der gesamten Öffnungszeit sind mindestens zwei Kassen besetzt
  • Kassen 7 bis 15: Diese Hälfte des Kassenbereichs für zu einem Self-Checkout-Bereich mit zehn Terminals umgebaut. An vier Terminals ist Barzahlung eine Option
  • Handscanner: Am Eingang stehen Handscanner zur Entnahme bereit. Die Einkaufskörbe werden mit einer entsprechenden Halterung versehen

Jeder Kunde hat nun die Wahl. Möchte er bar zahlen oder mit Karte? Möchte er die Waren aufs Band legen oder selbst scannen? Möchte er entspannt bezahlen, mit der Kassiererin einen Schwatz halten und Hilfe beim Zählen des Kleingeldes in Anspruch nehmen? Oder entscheidet er sich für einen Handscanner, weil er die Waren an der Kasse nicht mehr auspacken möchte?

Es wäre so einfach, die Technik ist vorhanden und die Ideen stammen nicht von mir, sondern sie sind aus dem Alltag gegriffen. Warum gibt es einen solchen Supermarkt in Deutschland nicht? Wie denkst du über das Thema? Schreib es gern in die Kommentare.

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